Armenische Kulturtage Köln 2015

Freitag, 23.10. – 20.11.2015

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Was macht die Identität eines Menschen vorrangig aus? Eine Frau zu sein oder ein Mann? Eine Tochter oder ein Sohn? Eine Mutter, ein Vater, ein Kölner, eine Deutsche, ein Armenier oder eine Europäerin? Vieles ist identitätsstiftend: Erfahrungen, Begegnungen, Beziehungen, die geografische Lage, die Volks-zugehörigkeit, die Bildung, die Berufswahl, die politische Gesinnung und Ereignisse, die einen prägen. 2015 sind wir vorrangig Armenier. Denn wir gedenken der Ausrottung unserer Vorfahren.

„Tragische Ereignisse“, „Sicherheitsmaßnahmen“, „Notstand“, „Abwehr“, „Reaktion“ oder „Umsiedlung“ – zum 100. Mal jährt sich eine Tat, die immer noch nicht beim wahren Namen genannt werden darf: Genozid.

2015 soll nicht nur als Gedenk- und Trauerjahr verstanden werden. Es muss vielmehr als eine Gelegenheit gesehen werden, um Geschichte zu verstehen, zu vertiefen. Wann wird ein Massaker zu einem Genozid? Wie funktionierten die Mechanismen des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts? Wer waren die Akteure?

An dieser Stelle möchten wir über das Programm der Kulturtage hinaus drei Buchempfehlungen aussprechen:„Genozid: Völkermord im 20. Jahrhundert. Geschichte, Theorien, Kontroversen“ von Boris Barth. Der Geschichtswissenschaftler der Konstanzer Universität behandelt die drei großen Genozide des 20. Jahrhunderts. Kurz, knapp und verständlich verschafft das Werk einen guten ersten Überblick und widerlegt dabei nachvollziehbar Gegenargumente.

„Tabu Armenien. Geschichte eines Völkermordes“ von Yves Ternon. Ein Klassiker. Ternon studierte Geschichte an der Pariser Sorbonne und spezialisierte sich auf das Thema der Genozidleugnung. Über die ambitionierte Leugnungshaltung der Täter-Nachkommen schrieb er in seinem Werk „Der Verbrecherische Staat“: „Nichts ist geschehen, aber sie haben es verdient.“

„Extrem gewalttätige Gesellschaften. Massengewalt im 20. Jahrhundert“ von Christian Gerlach. Für Fortgeschrittene. Der Geschichtswissenschaftler der Universität Bern behandelt den Genozid an den Armeniern in einem separaten Kapitel. Gerlach sagt über sein Werk, es skizziere und begründe den neuen Ansatz, teste sein Potenzial in mehreren Fallstudien und ziehe allgemeine Schlussfolgerungen im Hinblick auf Prozesse, die typisch in Gesellschaften seien, die er als „extrem gewalttätige Gesellschaften“ bezeichnet.

Ein Volk wurde beinahe ausgerottet. Dies genügte nicht. Man wollte noch mit allen Mitteln die Errungenschaften dieses Volkes aus der Geschichte und aus der Gegenwart auslöschen. Dagegen veranstalten wir die Armenischen Kulturtage Köln – zum 12. Mal.