Berlin – Gedenktag für die Opfer des Genozids an den Armeniern

Donnerstag, 24. April 2014 | 19:00 Uhr

Am Gendarmenmarkt, 10117 Berlin (Mitte)

Französische Friedrichstadtkirche (Französischer Dom)

Der 24. April 1915 bezeichnet den unüberbrückbaren Bruch in der Geschichte der Armenier.

An diesem Tag veranlasste die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reichs die Verhaftung, Deportation und Ermordung armenischer Künstler, Schriftsteller, Politiker und weiterer Repräsentanten des öffentlichen Lebens in Konstantinopel.

Die Deportation der armenischen Bevölkerung aus den Gebieten Anatoliens, die auch die Verfolgung und Ermordung der Aramäer einschloss, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen.

Dieser erste Genozid des 20. Jahrhunderts, der während des Ersten Weltkriegs die Entstehung des modernen türkischen Staates einleitete, der inmitten der europäischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts vollzogen wurde und doch von Europa lange vergessen schien, beendete das Leben der Westarmenier in ihrer angestammten Heimat.

Als weltweiter Gedenktag erinnert der 24.April an die Opfer der Vernichtung. Aber als Gedenktag mahnt er auch die Fragilität von historischer Wahrheit an, wenn sie sich gegenüber politischen Interessen zu bewähren hat. So steht das Erinnern der Armenier, das Gedenken an die Opfer und die Zerstörung armenischen Lebens ebenso wie das historische Geschehen selbst auch heute, 99 Jahre nach dem Genozid, unter der Verunglimpfung politischer Leugnung, unter Zweifel und Missachtung. Da wird die wiederholte Behauptung eines türkischen Nationalisten, die Rede vom Völkermord an den Armeniern sei „eine internationale Lüge“ vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte unter den Schutz der Meinungsfreiheit gestellt; da wird auf Druck des türkischen Generalkonsulats in der Bundesrepublik vor jeder Aufführung eines Theaterstücks über den Völkermord im Theater Konstanz, über die „türkische Sichtweise informiert“, indem ein Brief des türkischen Generalkonsuls verlesen wird. So wird stets aufs Neue das Erinnern an den Genozid in das Schweigen „politischer Rücksichtnahmen“ gedrängt, das armenische Beharren auf der Geschichte nicht selten als Provokation empfunden. Wäre es nicht an der Zeit, dass sich die Armenier in einen gemeinsamen Erinnerungsprozess mit den Generationen der Türkei begeben? Einen Prozess, der endlich auf Versöhnung zielt?

Aber wie soll eine Versöhnung zwischen Tätern und Opfern möglich sein, wenn das Erinnern der Opfer an die historische Tatsache des Genozids und seine Anerkennung durch die Täter nicht die Grundlage eines Versöhnungsprozesses sein sollen, sondern wenn die Erinnerung als Störung und Verweigerung diffamiert wird? Einhundert Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs, jener Urkatastrophe Europas, in deren Schatten der Völkermord an den Armeniern begangen wurde, stellt sich heute somit ungebrochen die Frage, welchen Ort die Erinnerung an den Genozid an den Armeniern im Europäischen Gedächtnis haben soll. Dieses Erinnern braucht heute eine Ermutigung, es braucht einen politischen Rahmen, der sichert, dass in dem Reden von „globalem“ und „europäischen Erinnern“ die Opfer selbst nicht vergessen werden und die Auseinandersetzung mit der Leugnung nicht gescheut wird. Und es bedarf der Versicherung, dass den Opfern Gerechtigkeit widerfahren und ihren Nachkommen eine Zukunft eröffnet wird. Diese Verantwortung trägt, wie der Bundestag in seinem Beschluss vom Juni 2005 festgestellt hat, Deutschland in besonderer Weise.

Der 24. April ist ein Gedenktag an die Opfer der Genozidpolitik von 1915/16. Er ist aber auch in diesem Jahr ein Gedenktag für die Herausforderungen eines Erinnerns und eines Lebens im Angesicht der Leugnung.

Und er ist ein Versprechen: dass die Nachkommen der Überlebenden sich nicht entmutigen lassen werden.

Sehr herzlich laden wir Sie zu unserer Gedenkfeier ein.

Armenische Gemeinde zu Berlin e.V.

Armenische Kirchen- und Kulturgemeinde e.V.

Berlin - Gedenktag für die Opfer des Genozids an den Armeniern