Jahresabschlussbericht 2015 der Jugendorganisation Junge Armenier

TalineA

Das Jahr 2015 ist fast vorbei und wir sind uns einig, dass es für jeden von uns ein ereignisreiches Jahr war. Für das Team Junge Armenier hat es angefangen mit der Unterstützung der Hrant-Dink-Aktion am 17. Januar. Diese war von der aktiven armenischen Jugend eingeleitet und geplant worden.

Hrant Dink war ein armenischer Journalist, der sich für die Öffnung des türkisch-armenischen Dialogs eingesetzt hat und die Demokratisierung der Türkei forderte. Als Herausgeber der Wochenzeitung Agos teilte er seine Überzeugungen mit der Öffentlichkeit. Am 19. Januar 2007 wurde er aus diesem Grund von einem türkischen Nationalisten auf offener Straße erschossen. Zum Gedenken an seinen achten Todestag haben sich bundesweit in sieben Städten armenische Jugendliche zusammengetan und in der Stadt seinen Mord nachgestellt. Ein regungsloser Körper, der auf dem Boden liegt und um ihn herum die Aktivisten, die Flyer verteilen, Reden halten und neugierige Passanten genauer über die Thematik informieren. Dadurch wurde zu ehren Hrant Dinks ein Zeichen gesetzt.

Das Jahr 2015 war außerdem voller Herausforderungen, weil sich in diesem Jahr der Völkermord von 1915 an den Armeniern, Aramäern/Assyrern und Pontosgriechen zum 100. Mal jährte. Das Team Junge Armenier sah es als seine Verantwortung, nicht nur tatenlos auf die Anerkennung des Völkermords seitens der deutschen Bundesregierung zu warten, sondern einen aktiven Beitrag dazu zu leisten.
So kam es dazu, dass der Lichterzug der Vergessenen zustande kam. Wieder hat sich das Team Junge Armenier mit anderen armenischen Jugendlichen zusammengetan und als aktive armenische Jugend einen Lichterzug organisiert. Dieser fand am 23. April nach dem ökumenischen Gottesdienst vor dem Berliner Dom statt. Die Gäste des Gottesdienstes wurden direkt am Eingang abgepasst. Jeder bekam eine Kerze in die Hand gedrückt und gemeinsam marschierte ein Zug von ca. 1000 Leuten zum Brandenburger Tor. Dort hatte die aktive armenische Jugend zuvor eine Bühne aufgebaut. Vor der Bühne wurden die Kerzen in Form einer 1915 abgestellt. Im Laufe des Abends wurden von Ehrengästen wie dem Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir Reden gehalten. Es gab musikalische Einlagen und Gedichte, die vorgetragen wurden.
Nach diesem emotionalen Abend hatten die Mitglieder des Teams Junge Armenier außerdem die Gelegenheit, als Zuschauer der Bundestagsdebatte über die Anerkennung des Völkermords beizuwohnen.

Im Mai fand der diesjährige armenische Sommer-Jugendtreff in Weiskirchen statt. Über 80 armenische Jugendliche aus ganz Deutschland fanden sich dort zusammen, nahmen an Tanzworkshops teil, hörten sich anregende Vorträge über die armenische Kultur an und saßen abends zusammen am Lagerfeuer. Es war ein Sommer-Jugendtreff mit gutem Wetter und ausgelassener Stimmung, wie man es sich wünscht, wenn viele Armenier zusammenkommen.

Mit der Armenischen Jugend Berlin und dem Deutsch-Armenischen Studentenclub Haik e.V. wurde am 12. Juli das armenische Volksfest Vardavar in Berlin veranstaltet, zu dem man sich gegenseitig mit Wasser bespritzt. Im Anschluss gab es ein gemütliches Picknick, sodass sich die Leute vom Wasserspaß ausruhen konnten.

Gegen Ende des Jahres tat sich das Team Junge Armenier mit dem gemeinnützigen Verein „Save Our Solls – 1915.de e.V.“ zusammen. Grund dieser Kooperation war die tiefe Enttäuschung über die ausgebliebene Anerkennung des Völkermords von 1915. Im April noch hatte die deutsche Bundesregierung nicht an Versprechen gespart, dass der Völkermord dieses Jahr von der deutschen Regierung offiziell anerkannt würde. Um zu verhindern, dass dieses Versprechen in Vergessenheit gerät, haben sich das Team Junge Armenier und „Save Our Solls – 1915. de e.V.“ am 12. November vor dem Reichstagsgebäude in Berlin versammelt. Die Bundestagsabgeordneten wurden am Eingang von ihnen abgefangen und in Gespräche verwickelt. Dadurch konnten neue Kontakte geknüpft werden und die Abgeordneten wurden nach monatelanger Pause wieder mit der Thematik des Völkermords konfrontiert. Viele der Abgeordneten reagierten offen und kompromissbereit, nicht selten wurden Visitenkarten ausgetauscht.

Als Abschluss des Jahres 2015 fand der armenische Winter-Jugendtreff in Bad Kissingen statt. Auch dieses Jahr handelte es sich um ein aufregendes Wochenende voller neuer Bekanntschaften und mit einem Programm, das die Teilnehmer auf Trapp hält.

Wir danken allen Teilnehmern, Bekannten und Freunden, die uns dieses Jahr unterstützt haben und es zu einem unvergesslichen Jahr gemacht haben. Wir wünschen euch einen guten Rutsch ins neue Jahr und freuen uns darauf, euch im nächsten Jahr wiederzusehen.

Das Team Junge Armenier (von links nach rechts): Yeksa Bakircian, Taline Akkaya, Edgar Khachatryan, Nara Kodak und Art Karanfiloglu. Auf dem Foto nicht zu sehen: Andreas Seitz.

Das Team Junge Armenier (von links nach rechts): Yeksa, Taline, Edgar, Nara und Aret. Auf dem Foto nicht zu sehen: Andreas.

 

Crowdfunding ONEArmenia – das Projekt „Santa Wanted“

TalineA

One Armenia

Die gemeinnützige Organisation „ONEArmenia“ führt zu Weihnachten ein ganz besonderes Projekt durch: man kann Kindern in armenischen Dörfern Weihnachtsgeschenke kaufen, die ihnen überbracht werden. Das geht ganz leicht auf der Website des „Santas Wanted“-Projekts:

https://www.crowdrise.com/1ASanta

Die Geschenke im Katalog sind alle ausschließlich Produkte, die in Armenien hergestellt wurden. Dadurch tut man nicht nur den Kindern etwas Gutes, sondern unterstützt zugleich armenische Warenhersteller. Macht dieses Weihnachten zu etwas Besonderes und zaubert armenischen Kindern mit so unverhofften Geschenken ein Lächeln auf ihre Gesichter!

Mehr Informationen über die „ONEArmenia“ gibt es auf der Homepage, diese lautet wie folgt:

https://onearmenia.org

ONEArmenia hat diese Plattform für Menschen auf der ganzen Welt erstellt damit man einfach mit ein paar Mausklicks Geschenke für Kinder in Armenien kaufen können. Also, Weihnachtsmann-Mütze aufsetzen, online gehen und anfangen mithilfe der Santas Wanted Kampagne, Weihnachtsfreude zu verbreiten.

Santas Wanted Kampagne

„Lichterzug der Vergessenen“ 100. Jahrestag des Völkermords 1915

Team Junge Armenier

Anlässlich des 100. Jahrestages des Völkermordes an den Armeniern, Aramäern/Assyrern und Pontosgriechen organisierte die „Aktive Armenische Jugend“ am 23. April 2015 in Berlin den „Lichterzug der Vergessenen“, welcher mit einer Kundgebung vor dem symbolträchtig angestrahlten Brandenburger Tor endete. Der Lichterzug fand im Anschluss an die historische Rede von Bundespräsident Joachim Gauck im Berliner Dom statt.

Neben lokaler sowie internationaler Presse nahmen ebenfalls zahlreiche namhafte Personen am Lichterzug teil.

Darunter:
– Cem Özdemir (MdB), Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen (Rede)
– Dr. rer. nat. Karamba Diaby (MdB), SPD
– Ashot Smbatyan, Botschafter der Republik Armenien in Deutschland
– S. Em. Erzbischof Karekin Bekdjian, Primas der Diözese
– Dr. Raffi Kantian, Vorsitzender der Deutsch-Armenischen Gesellschaft (Rede)
– Schwester Hatune Dogan
– RA Ilias Uyar (Rede)
– Petrus Atalay, Vorstandsmitglied des ZAVD (Rede)
– Patrik Baboumian, „Stärkster Mann Deutschlands“
– Artak Kirakosyan, Opernsänger (Gesang)
– Asatur Baljyan, Bariton (Gesang)

http://www.anerkennung-jetzt.de/

1915 | 2015 – DIE GESCHICHTE WIEDERHOLT SICH

Team Junge Armenier

Die Jugendorganisation „Junge Armenier“ und Aktivisten des wohltätigen Vereins „Save Our Souls – 1915.de e.V.“ haben sich in den letzten Wochen zusammengesetzt, um eine gemeinsame Aktion zu starten. Ziel war es, an die ausgebliebene Anerkennung des Völkermords von 1915 zu erinnern und persönlich den Sachstand zu erfragen.

Um die entscheidenden Akteure, die Bundestagsabgeordneten, zu erreichen, haben sich die zwölf Aktivisten am Donnerstag, dem 12.11.2015, vor dem Bundestagsgebäude versammelt. Ausgerüstet mit zwei Bannern, zehn Schildern und hundert Luftballons standen die Aktivisten von morgens um acht Uhr bis 17 Uhr nachmittags an einem der wichtigen Zugänge des Gebäudekomplexes. Viele Politiker, die zu ihren Sitzungen gehen wollten, wurden von ihnen am Eingang abgefangen und nicht selten in Gespräche verwickelt.

Bereits am Vortag wurde in den sozialen Medien angekündigt, dass die Aktivisten kommen würden, damit die Abgeordneten sich darauf einstellen konnten, den Dialog mit ihnen herzustellen. Dank der zahlreichen Twitter- und Facebooknutzer, welche die Meldung an die Politiker eifrig teilten und verbreiteten, entstand bereits im Netz die Kommunikation zwischen Politikern und den Unterstützern der Aktivisten.

Eine einfache Idee entwickelte sich zum Zünder eines beachtlichen Resultats, denn es wurden nicht weniger als 40 Bundestagsabgeordnete von den Aktivisten angesprochen, welche Kooperationsbereitschaft gezeigt haben. Gleichzeitig wurden den Mitgliedern des Bundestages die Parallelen zum aktuellen Völkermord der Minderheiten im Nahen Osten verdeutlicht und gebeten, sich wachen Auges und mit aktivem Handeln für die Beendigung einzusetzen. Eine Gedenkkultur vergangener Völkermorde, sollte auch dazu dienen, künftige aufzuhalten. Zudem sprachen sie sich für das Bedürfnis für eine Schutzzone für die Minderheiten im Irak und Syrien aus, die unter internationaler Aufsicht und Zusammenarbeit mit den christlichen und ezidischen Selbstverteidigungseinheiten gesichert werden soll, damit die Menschen das verloren gegangene Vertrauen zurück erhalten. Nur das sichert einen langfristigen Verbleib in der Heimat.

Durch die Verteilung von Informationsflyer und dem Austausch von Kontaktdaten ist außerdem eine langfristige Basis des gegenseitigen Kontakts gesichert.

Als Nachfahren der Völkermordopfer von 1915 ist es den Jugendlichen sehr wichtig, sich insbesondere bei den Bundestagsabgeordneten Gehör zu verschaffen und somit auf eine möglichst baldige Anerkennung dieses Völkermords hinzuarbeiten.

Dr. Thomas Feist - CDU/CSU
Dr. Thomas Feist - CDU/CSU
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Neuer ZAD – Vorstand gewählt

Team Junge Armenier
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Am 15.11.2015 wählte die Vollversammlung des Zentralrates der Armenier in Deutschland (ZAD) den neuen Vorstand für eine Amtszeit von drei Jahren. Prof. Dr. phil. Mihran Dabag von der Ruhr-Universität Bochum eröffnete die Sitzung in Gedenken an das neueste Attentat von Paris mit einer Schweigeminute.
 
Prof. Dr. phil. Mihran Dabag von der Ruhr-Universität Bochum eröffnete die Sitzung in Gedenken an das neueste Attentat von Paris mit einer Schweigeminute.
 
Zur neuen Vorsitzenden des Dachverbandes wurde Jaklin Chatschadorian gewählt. Die Rechtsanwältin engagiert sich in der Kommunalpolitik und setzt sich seit vielen Jahren für die Sensibilisierung der Gesellschaft im Umgang mit der Geschichte des Genozides im Osmanischen Reich als äußerste Form von Rassismus ein.
 
Sona Hakobyan ist die neue stellvertretende Vorsitzende. Als Konstrukteurin bringt sie neben einem ausgeprägten technischen Verständnis umfassende Projekterfahrungen aus der interkulturellen Vereinsarbeit mit.
 
Diplom-Betriebswirt (FH), Ohanes Altunkaya, übernimmt die Position des Schatzmeisters. Er verbindet in seiner Person wirtschaftliche Fachkompetenz mit langjähriger Erfahrung in Projektleitung und politischer Arbeit.
 
Ani Smith-Dagesyan ist Politikwissenschaftlerin, Lehrbeauftragte und Doktorandin der Internationalen Politik. Sie übernimmt die Verantwortung für die politische und kulturelle Ausbildung junger Generationen.
 
Samvel Lulukyan, Geschäftsführer in einem großen Unternehmen, ist Schriftführer des ZAD. Eine akurate Arbeitsweise, Verhandlungsgeschick und mehrjährige Erfahrungen in der politischen Vereinsarbeit zeichnen ihn aus.
 
Der neue Vorstand wird sich der Bewahrung der armenischen Kultur widmen, um die Überlebenden des Genozides zu feiern. Gleichzeitig möchte die junge Arbeitsgruppe ihren Beitrag zum Wohl der Gesamtgesellschaft leisten.
 
„Die armenische Diaspora in Deutschland ist Teil der deutschen Gesellschaft und die armenische Geschichte ist unumwunden Teil der deutschen Geschichte. In Verantwortung für die gemeinsame Vergangenheit und Zukunft sehen wir unsere Aufgabe darin, vorhandene Freundschaften zwischen beiden Gesellschaftsgruppen, durch Kooperation ebenso wie durch die Überwindung von Hindernissen, zu vertiefen. Eine ehrliche deutsch-armenische Freundschaft, kann, der uns allen bevorstehenden Herausforderung, der Integration Zugereister in eine gemeinsame, von Empathie, Loyalität und Solidarität geprägte Gemeinschaft, neue Impulse liefern.“, sagt Jaklin Chatschadorian, Vorsitzende des ZAD.
 

FESTIVAL ZU GESCHICHTE & GEGENWART ARMENIENS

Team Junge Armenier

2015 tragen Armenier und ihre Freunde in der Kaukasusrepublik und in der ganzen Welt violette Blumenanstecker. Aber auch auf türkischen Facebook-Profilen ist das Symbol zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern zu  sehen. Das Festival verbindet die Erinnerung an die Ereignisse vor 100 Jahren mit Geschichten aus dem lebendigen Armenien von heute. Im Zentrum steht das Schauspiel Die Kinder des Musa Dagh nach dem Roman von Franz Werfel, dessen Premiere am 28.11. auch der Botschafter der Republik Armeniens in Deutschland, Ashot Smbatyan, besuchen wird.

Zur Eröffnung am 22.11. um 11 Uhr und zu allen Vorstellungen im Rahmen des Festivals laden wir Sie herzlich ein. Das Programm als PDF finden Sie hier.

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Samstag, 21.11.

20.00 Uhr – REAR VIEW MIRROR Vahe Arsen liest armenische Gedichte, anschließend KICK OFF PARTY TOWARDS YOUR INSOMNIA mit DJ Tigran M.

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Sonntag, 22.11.

11.00 Uhr – FESTIVAL-ERÖFFNUNG: VERLUST UND VERMÄCHTNIS Berichte von Überlebenden des Völkermords. Lesung & Diskussion mit Prof. Dr. Mihran Dabag & Kristin Platt

13.00 Uhr – DIE CHIFFRE 1915 – EINSAMES ODER GEMEINSAMES DENKEN? Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann, anschließend 1915: AGHET – DIE VERNICHTUNG Ausstellungseröffnung

15.00 Uhr – DAS KAMEL DES KÖNIGS & DAS MÄDCHEN AREWAHAT Armenische Märchen erzählt von Diana Krüger

18.00 Uhr – YOU ARE NOT A FISH AFTER ALL GASTSPIEL | Tanzperformance von und mit Mihran Tomasyan

19.00 Uhr – ARMENIEN HEUTE UND MORGEN Vortrag & Diskussion

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Mittwoch, 25.11.

19.00 Uhr – AUFTAKT ZUR ARMENISCHEN FILMREIHE in der Kinemathek Karlsruhe

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Donnerstag, 26.11.

20.00 Uhr – PRO SHAMIRAM & L’ULTIMA CENA GASTSPIEL aus Armenien | Tanztheater – Doppelabend von Aida Simon

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Freitag, 27.11.

20.00 Uhr – DAS NEUE STÜCK 33 – DIE GRENZE ZWISCHEN DEINEN BEINEN von Samvel Martirosyan. Szenische Lesung & Autorengespräch

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Samstag, 28.11.

17.00 Uhr – DAMALS, UND EIN KOFFER Zeitzeuge Krikor Melikjan im Gespräch

19.00 Uhr – DIE KINDER DES MUSA DAGH von Ferdinand Bruckner

22.00 Uhr – HAČUYK´ YEV PARI – FREUDE UND TANZ Armenisches Fest mit Volkstänzen, Musik & armenischen Delikatessen

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Sonntag, 29.11.

11.00 Uhr – DIE DEUTSCHE MITVERANTWORTUNG AM VÖLKERMORD Vortrag & Diskussion mit Prof. Dr. Ashot Hayruni

20.00 Uhr –  FESTKONZERT & LESUNG: DAS BUCH DES FLÜSTERNS

Armenische Kulturtage Köln 2015

Team Junge Armenier

Freitag, 23.10. – 20.11.2015

kulturtage-köln-2015

Was macht die Identität eines Menschen vorrangig aus? Eine Frau zu sein oder ein Mann? Eine Tochter oder ein Sohn? Eine Mutter, ein Vater, ein Kölner, eine Deutsche, ein Armenier oder eine Europäerin? Vieles ist identitätsstiftend: Erfahrungen, Begegnungen, Beziehungen, die geografische Lage, die Volks-zugehörigkeit, die Bildung, die Berufswahl, die politische Gesinnung und Ereignisse, die einen prägen. 2015 sind wir vorrangig Armenier. Denn wir gedenken der Ausrottung unserer Vorfahren.

„Tragische Ereignisse“, „Sicherheitsmaßnahmen“, „Notstand“, „Abwehr“, „Reaktion“ oder „Umsiedlung“ – zum 100. Mal jährt sich eine Tat, die immer noch nicht beim wahren Namen genannt werden darf: Genozid.

2015 soll nicht nur als Gedenk- und Trauerjahr verstanden werden. Es muss vielmehr als eine Gelegenheit gesehen werden, um Geschichte zu verstehen, zu vertiefen. Wann wird ein Massaker zu einem Genozid? Wie funktionierten die Mechanismen des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts? Wer waren die Akteure?

An dieser Stelle möchten wir über das Programm der Kulturtage hinaus drei Buchempfehlungen aussprechen:„Genozid: Völkermord im 20. Jahrhundert. Geschichte, Theorien, Kontroversen“ von Boris Barth. Der Geschichtswissenschaftler der Konstanzer Universität behandelt die drei großen Genozide des 20. Jahrhunderts. Kurz, knapp und verständlich verschafft das Werk einen guten ersten Überblick und widerlegt dabei nachvollziehbar Gegenargumente.

„Tabu Armenien. Geschichte eines Völkermordes“ von Yves Ternon. Ein Klassiker. Ternon studierte Geschichte an der Pariser Sorbonne und spezialisierte sich auf das Thema der Genozidleugnung. Über die ambitionierte Leugnungshaltung der Täter-Nachkommen schrieb er in seinem Werk „Der Verbrecherische Staat“: „Nichts ist geschehen, aber sie haben es verdient.“

„Extrem gewalttätige Gesellschaften. Massengewalt im 20. Jahrhundert“ von Christian Gerlach. Für Fortgeschrittene. Der Geschichtswissenschaftler der Universität Bern behandelt den Genozid an den Armeniern in einem separaten Kapitel. Gerlach sagt über sein Werk, es skizziere und begründe den neuen Ansatz, teste sein Potenzial in mehreren Fallstudien und ziehe allgemeine Schlussfolgerungen im Hinblick auf Prozesse, die typisch in Gesellschaften seien, die er als „extrem gewalttätige Gesellschaften“ bezeichnet.

Ein Volk wurde beinahe ausgerottet. Dies genügte nicht. Man wollte noch mit allen Mitteln die Errungenschaften dieses Volkes aus der Geschichte und aus der Gegenwart auslöschen. Dagegen veranstalten wir die Armenischen Kulturtage Köln – zum 12. Mal.

Roman – Werwolf oder Taube von Rafaela Thoumassian

TalineA
Werwolf oder Taube - Das Buchcover

Werwolf oder Taube – Das Buchcover

 

100 Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern. „Werwolf oder Taube“ von Rafaela Thoumassian
Rafaela Thoumassian beschreibt eindringlich das Seelenleben einer jungen Deutsch-Armenierin, die als Enkelin noch immer die Schwere des Völkermords spürt und nach einem Weg sucht, ihren Frieden damit zu finden. Anstatt den Blick auf die Täterseite zu richten, wagt sie eine spannende Reise zu den Tiefen und Schatten des eigenen Bewusstseins.
Ein Reisebericht. Ein Märchen. Die Suche nach sich selbst.
Ana möchte herausfinden, wo ihre Heimat ist, und reist dreimal nach Armenien: Ihr Armenisches Tagebuch, ein Reisebericht voller sinnlicher Bilder und treffender Beobachtungen, zeichnet ihr Hin-und-Hergerissensein zwischen den Welten auf, vermerkt Begegnungen mit Geschichte und Gegenwart, der Architektur und den Menschen und findet immer wieder Trost in der berückend schönen Landschaft des Kaukasus.
Anas Reiseberichte finden ihren Gegenpart in einer mystischen Erzählung, dem Märchen von Antaram. Hier trifft Ana auf den geheimnisvollen Saro, und Hayrabet, ihren Großvater. Das von liebenswürdigen Charakteren bevölkerte Dorf bildet die Kulisse für das entscheidende Gespräch zwischen Ana und Hayrabet, denn ihre tiefe Verbundenheit trägt auch den Schmerz der alles überschattenden Erinnerung an den Völkermord, dem Hayrabet als Siebenjähriger nur knapp entkam…
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